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Der rosarote Maibaumklau

Mai 2, 2008
23.04.2008 20:39 Uhr | aktualisiert: 24.04.2008 15:40 Uhr
Ismaninger Burschen klauen den „schwulen Maibaum”
 
München – „Wir klauen den schwulen Maibaum”, hatte die CSU im Glockenbachviertel vollmundig angekündigt. Doch gelungen ist das Bravourstück dem Burschenverein Ismaning: Er hat den „Integrationsmaibaum” gestohlen, den Münchens schwul-lesbische Gemeinde am 1. Mai erstmals auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz aufstellen will.

 

Nun wird das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum „Sub” das Zwölf-Meter-Stangerl mit viel Bier und Brotzeit auslösen müssen. So verlangt es die Tradition.Dass die CSU hinter dem Maibaum mit schwul-lesbischen Bildtafeln her war, hat die Ismaninger Buschen angestachelt. Schließlich haben sie einen Ruf als gefürchtete Maibaum-Diebe zu verteidigen. Seit drei Wochen ließen Späher die Werkstatt von Künstler Robert C. Rore nahe dem Rotkreuzplatz nicht mehr aus den Augen. Denn dort wurde das gute Stück aufbewahrt. Am Dienstagabend war es soweit, wie Vereins-Vorsitzender Gregor Mülbel (21) stolz berichtet: Der Späher gab Alarm, und im Nu waren ein Dutzend Burschen mit Lieferwagen und Anhänger unterwegs.„Ich hatte in Absprache mit dem Sub den Baum in den Hof gebracht, weil er in der Werkstatt sehr im Weg war”, berichtet Rore. Gegen 20 Uhr habe er im Atelier einen Brief geschrieben. Den Baum glaubte er gut aufgehoben: „Ich höre normalerweise alles, was im Hof vor sich geht. Aber als ich nach 20 Minuten raus kam, war das Ding weg.” Die Ismaninger Burschen hatten unter einem Vorwand eine Hausbewohnerin dazu gebracht, das Tor zu öffnen. Im Schutz der Dunkelheit trugen sie ihre Beute geräuschlos weg.

Rore, geboren im Berchtesgadener Land, nimmt seine Niederlage sportlich: „Des hams guat g‘macht”, sagte er gestern auf Anfrage. „Hund sans scho!” Auch Sub-Vorstand Uwe Hagenberg sieht in der Sache „eher eine Gaudi”. Der Maibaumklau sei ebenso Tradition wie das Maibaumaufstellen. Hagenberg freut sich nun auf den 1. Mai, wenn die Diebe ihre Beute zurückbringen und auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz die Verhandlungen über Freibier und Brotzeit beginnen. „Die Show verspricht eine Menge Spaß”, betont der Sub-Chef. Und noch etwas Gutes habe der Diebstahl, meint er und lacht: „Mit der Frage, wie wir den Maibaum zum Platz bringen, müssen sich nun andere beschäftigen.”